Quo vadis Web - vom Redaktionssystem zum Enterprise Content Management

Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass die unterschiedlichen Begriffe für das vermeintlich Gleiche die Evolution der damit verbundenen Produkte wiedergeben.

In der IT-Branche ist üblich, immer mal wieder neue Schlagworte zu etablieren und zum künftigen Hype zu erklären - und die IT-Dienstleister dieser Welt nutzen die Gelegenheit häufig, um ihre längst etablierten Produkte und Leistungen unter der neu geschaffenen Flagge mitsegeln zu lassen.
Sehr schön zu beobachten ist dieses Phänomen bei der Entwicklung von "Redaktionssystemen", "Web Content Management Systemen" und neuerdings eben "Enterprise Content Management Systemen": sie alle lösen im wesentlichen das gleiche Problem, und viele Anbieter haben ihre Produkte flugs den neuen Begriffen zugeordnet, ohne oberflächlich betrachtet wirklich etwas Neues zu bieten.

Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass die unterschiedlichen Begriffe für das vermeintlich Gleiche die Evolution der damit verbundenen Produkte wiedergeben.
Begonnen hat das Thema "Web" in Kombination mit "Redaktion" - zumindest in Bezug auf die Plattform Lotus Notes/Domino - in den späten 90ern. Die ersten "Redaktionssysteme", bei besonders mutigen Anbietern sogar "Web-Redaktionssysteme" erblickten das Licht der Welt, vielfach entstanden aus individuell entwickelten Kundenprojekten. Deren Basisidee, die Trennung der Elemente Layout und Inhalt und die damit verbundene Spezialisierung der Mitarbeiter (inklusive Externen) in Webdesigner und Inhaltsredakteure, hat bis heute Bestand. Ergänzt um einen Freigabeprozess, vielfach ein simples 4-Augen-Prinzip mit den zwei Gruppen "Redakteure" und "Freigeber", komplettierten das System.

Pünktlich zum Jahr 2000 wurde ein neuer Begriff geprägt: aus den Redaktionssystemen wurden "Web Content Management Systeme". Für's erste erhielt der Kunde unter diesem Namen nicht viel mehr als vorher, nur die Lizenzmodelle wurden von vergleichsweise moderaten Beträgen auf mittelprächtige fünfstellige Summen aufgerüstet - dotcom-Hype sei Dank. Plötzlich erschienen Anbieter auf der Bildfläche und bei den Interessenten, die aus einem ganz anderen thematischen Ursprung, beispielsweise Dokumentenmanagement, den Weg in Richtung Web einschlugen und damit wichtige Impulse einbrachten. Die zunehmende Verbreitung von Domino R5 in den Unternehmen und die damit einhergehenden deutlich gestärkten Web-Fähigkeiten taten ihr Übriges.

Durch den überwiegend positiven Einfluss von Bestandskunden, die starke Wettbewerbssituation der Anbieter untereinander und der Beeinflussung durch Nicht-Domino-basierte Systeme wurde eine wahre Featuritis ausgelöst: kein Anbieter, der nicht alle sechs Wochen eine bahnbrechende Neuerung zu verkünden hatte, kein Wettbewerber, der diese Funktion nicht spätestens im nächsten Release kopiert hatte. So entstanden Elemente wie Formulare, Volltextsuche, Sitemap, Personalisierung, Shops, Warenkörbe, Caching-Mechanismen, Multimedia-Datenbanken etc. für alle möglichen und unmöglichen Anforderungen.
Der lachende Dritte dieser Entwicklung war und ist der Kunde: dank einer im Bereich der Domino-basierten Systeme nur schwachen Konsolidierung des Marktes und mittlerweile ausreichend Zeit für eine solide Qualitätssicherung kann er heute - zumindest bei den eher hochpreisigen Anbietern im Groupware-Markt - auf eine Auswahl technisch ausgereifter und funktional ähnlicher Produkte zurückgreifen, die sich im Wesentlichen in der inhaltlichen Strategie unterscheiden.

Der Begriff Web Content Management wird dieser Tage zunehmend durch das neue Schlagwort "Enterprise Content Management" abgelöst. Was auf den ersten Blick nach einer weiteren Modeerscheinung und "altem Wein in neuen Schläuchen" aussieht, ist in Wahrheit eher eine Reaktion auf die Entwicklung, die Web Content Management Systeme durchlaufen haben. Denn während in der Vergangenheit in der Tat fast ausschließlich der Browser als "Ziel", als die einzige Schnittstelle zum Endkunden berücksichtigt wurde, bedienen aktuelle Enterprise Content Management Systeme auch beliebige XML-Schnittstellen, mobile Endgeräte und insbesondere Portale unterschiedlichster Hersteller. Der Vokabel "Enterprise" wird zudem eine uneingeschränkte Skalierbarkeit, Instanzierbarkeit und Internationalisierung gerecht - Mehrsprachigkeit des Clients, der generierten Seiten und uneingeschränkte Unterstützung von Unicode sind heute Standard, zumal "international" nicht nur deutsch, englisch und französisch bedeutet, sondern durchaus auch ungewöhnliche Zeichensätze aus Osteuropa oder Fernost beinhalten kann.

Mit den diversen Bezeichnungen für ein und denselben Lösungsansatz einhergegangen ist jedoch auch eine deutliche Verschiebung und Erweiterung der Einsatzbereiche von Enterprise Content Management Systemen.
Aus der Historie heraus eignen sie sich nach wie vor als Redaktionssystem für Webseiten, sei es Internetauftritte oder Intranets: eine weitgehend autarke Mannschaft von Designern und Redakteuren nutzt das System für die verteilte Pflege von Inhalten und Layout über Standorte hinweg, gewisse Automatismen wie Suche, dynamische Navigation oder Linkcheck erleichtern die Arbeit.
Doch irgendwann reift der Wunsch, weitere Daten in die Site zu integrieren, und zwar Daten, die - im Gegensatz zu vielen typischen Inhalten einer Website - bereits digital vorliegen. Das können Preislisten in einem Online-Shop, Urlaubspläne im Intranet oder Lagerbestände in einem Extranet sein; allen gemein ist, dass die Informationen bereits durch andere Prozesse gepflegt und in einem DV-System gespeichert werden. Was liegt also näher, als diese Informationen zu konsolidieren, gegebenenfalls aus Sicherheitsgründen zu reduzieren und in die Site zu integrieren?

Hier kommt ein wesentlicher Aspekt des Enterprise-Gedankens zum Tragen: während Web Content Management Systeme sich ein gutes Stück an Selbständigkeit bewahrt haben, leben Enterprise Content Management Systeme von der Integration auch in heterogene DV-Landschaften. Erst wenn Informationen aus SAP, SQL, Oracle, CSV etc. intelligent integriert und aufbereitet werden können, lassen sich Medienbrüche zwischen DV-Systemen abbauen und das Medium "Web" mit all seinen Chancen effizient nutzen.
In einem weiteren Schritt entsteht vielleicht die Anforderung, neben einem Webbrowser weitere Anwenderschnittstellen zu bedienen - seien es PDAs, mit deren Hilfe der Außendienst schnell und zuverlässig Preis- und Lieferaussagen treffen kann, seien es Portallösungen, um das sagenumwobene "Management Cockpit" neben den aktuellen Kennzahlen aus dem Business Warehouse zusätzlich mit Eckdaten der Urlaubsplanung oder der Auslastung des Außendienstes anzureichern.
Und wenn dann eines Tages alle nationalen Tochtergesellschaften ihre lokalen Inhalte in ihrer lokalen Sprache pflegen, diese "weichen" Informationen um harte Fakten aus dem lokalen Lagerverwaltungssystem auf Basis von SAP angereichert werden und diese kombinierten Informationen sowohl im klassischen Corporate Design als Website als auch als druckfähige Version, als PDF-Dokument zum Download, als Mini-Website für PDAs sowie als barrierefreie Website vorliegen und zusätzlich zum einen via XML den Kunden und Lieferanten bereitgestellt, zum anderen in das Vorstandinformationssystem auf Basis einer Portallösung integriert werden, dann erscheint der Begriff "Enterprise Content Management" mehr als gerechtfertigt.
Zukunftsmusik? Teilweise. Trotzdem muss dieses "big picture" heute Einfluss auf die Auswahl eines Enterprise Content Management Systems haben, um sich mit einer Entscheidung heute keine Türen zuzuschlagen, durch die man morgen gehen will - nichts ist betriebswirtschaftlich fataler als die Rückabwicklung einer Fehlentscheidung.
Und so utopisch ist diese Vision nun auch wieder nicht: mit http://www.fenster-infoline.de betreibt die VEKA AG aus Sendenhorst, mittelständischer Hersteller von PVC-Profilen für den Fensterbau mit 2.300 Mitarbeitern und ca. 40 internationalen Tochtergesellschaften ein Branchenportal, in dem sowohl Konstruktionsdaten für die Herstellung von Fenstern als Online-Konfigurator und AutoCAD-Dateien zum Download vorliegen als auch kundenspezifische Preise und Lagerbestände aus dem SAP-System integriert sind. Elemente wie Personalisierung, Newsletter, Veranstaltungskalender und Zielgruppensegmentierung ergänzen die harten Daten zu einer ergonomischen Oberfläche mit einem echten Mehrwert für den Anwender und tatsächlich realisierter Effizienzsteigerung beim Betreiber.
Insofern: auch wenn Enterprise Content Management heute noch nicht als notwendiger Standard in der Unternehmenskommunikation betrachtet wird, so sammeln die Innovatoren bereits ihre ersten Erfahrungen damit, und will man auf den Zug aufspringen und ihm nicht irgendwann hinterherlaufen, darf dieser Aspekt bei der mittelfristigen IT-Strategie nicht fehlen.

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