IT mit Profil

Die Abhängigkeit eines Unternehmens von seinen IT-Systemen nimmt immer mehr zu. Die Ursachen dafür sind ganz verschieden: zum einen werden immer mehr Geschäftsprozesse durch EDV unterstützt oder bereits vollständig IT-basiert abgebildet. Steht das System nicht zur Verfügung, ist heute nicht nur die Buchhaltung betroffen, sondern vom Wareneingang bis zur Auslieferung, vom Controlling bis zur Personalplanung spürt das ganze Unternehmen die Konsequenzen. Oftmals dreht es sich dabei immer um ein einziges, zentrales ERP-System - beispielsweise SAP.

Die einzelnen Prozesse werden heute sehr tief in der IT abgebildet. Während EDV in ihren ersten Tagen schlicht eine (komfortablere) Alternative zum Karteikasten und damit ein Hilfsmittel war, das man zur Not kompensieren konnte, bedeutet Stillstand der IT heute auch Stillstand des Unternehmens - es gibt keine Lagerbewegungen, keine Lieferscheine, vielleicht ´nicht einmal eine Produktion. Immer neue Projekte von der Systemintegration (z. B. zur Lagerverwaltung) bis zum Business Warehouse führen zu einer immer größeren Abhängigkeit.
Ein anderer Aspekt ist das Thema Globalisierung. Ein lokal agierendes Unternehmen ist während der Geschäftszeiten auf die EDV angewiesen, die Abendstunden und Wochenenden stehen für Wartungsarbeiten, Backup etc. fast uneingeschränkt zur Verfügung. Kommen Auslandgesellschaften aus anderen Zeitzonen dazu, schrumpft das Zeitfenster bereits auf wenige Stunden. Mit eBusiness-Applikationen und Dreischichtproduktion steht dann schnell eine 24/7-Verfügbarkeit zur Debatte.

Genau mit diesen Anforderungen sah sich die VEKA AG aus Sendenhorst konfrontiert. Als Hersteller von PVC-Profilen für den Fensterbau und PVC-Platten erwirtschaftet VEKA mit ca. 2.700 Mitarbeiten weltweit rund 700 Mill. EUR Jahresumsatz. "SAP R/3" als strategische Plattform mit mehreren Modulen und eine ausgeprägte Prozessintegrationstiefe sorgen für eine hohe Abhängigkeit, die Tochtergesellschaften von Shanghai über Sibirien und USA bis Südamerika sowie die Produktion rund um die Uhr verlangen permanente Verfügbarkeit. Einer internen Analyse zufolge hat bereits eine Downtime von 30 Minuten eklatante Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb bis hin zum Stillstand des Unternehmens.

Gemeinsam mit ihrem Beratungspartner Uniorg aus Dortmund entwickelte VEKA ein Konzept, um die Verfügbarkeitsanforderungen mit vertretbarem Investment zu erfüllen. An erster Stelle stand hier eine Bedrohungsanalyse. Demzufolge ist die größte Gefahr für die Verfügbarkeit weniger der Ausfall durch typische Gefahren wie Feuer oder Stromausfall, denn diese lassen sich in der Regel relativ einfach absichern. Von mindestens gleich großer Bedeutung war die Schaffung von geplanten Wartungsfenstern, um Änderungen am System vorzunehmen zu können. Diese Tätigkeiten sind in der Regel mit der Forderung nach einer maximalen Downtime von 30 Minuten nicht zu vereinbaren, solange nicht ein redundantes System eingesetzt wird. Dass dies gleichzeitig einen weiteren Schutz vor den "normalen" Bedrohungen bietet, ist eine angenehme Begleiterscheinung.

Die Basis des Hochverfügbarkeitskonzepts sind daher zwei redundante, zentralisierte Rechenzentren auf dem Gelände der VEKA AG. Dazu wurden mit Ausnahme der Tochtergesellschaft in China sämtliche Töchter auf ein einzelnes System konsolidiert und über ein redundantes frame relay-basiertes Virtual Private Network (VPN) angebunden. Damit obliegt die Kontrolle und Verantwortung für die zentralen Systeme allein dem Standort Sendenhorst.
Im Rahmen eines ohnehin anstehenden Erweiterungsbaus wurde das bestehende Rechenzentrum um ein weiteres, redundantes Rechenzentrum in 250m Entfernung ergänzt. Mehrfach redundante Glasfaserkabel verbinden die beiden Standorte, alle Komponenten sind vollständig autark ausgelegt. Dazu zählen neben zwei USV-Anlagen und zwei Dieselaggregaten zur ununterbrochenen Energieversorgung auch Klimaanlagen, Brandfrühesterkennung, Zugangskontrolle etc. Beide Gebäude sind als "schwarze Wanne" realisiert und damit sicher gegen einen steigenden Grundwasserpegel. Der Neubau wurde zudem mit einer Sauerstoffreduktion versehen, die den Sauerstoffgehalt der Luft auf ein für offenes Feuer zu geringes Maß reduziert, für Menschen aber weiterhin ausreichend ist. Eine Sicherungs-Library stellt zudem die notwendige Speicherkapazität für Backups zur Verfügung.
Damit war die notwendige Infrastruktur geschaffen. In einem nächsten Schritt musste die Systemarchitektur konzipiert und umgesetzt werden. Bereits aus der Historie IBM-Kunde und mit der "IBM iSeries" (AS/400) als Basis des SAP-Systems immer zufrieden gewesen, favorisierte VEKA eine Lösung auf Basis von IBM-Hardware. Nach einer Konzeptphase, betreut vom IBM Business Partner GCC aus Hameln, inklusive eines Proof-of-Concept-Workshops im Labor der IBM in Montpellier, fiel die Entscheidung für die weltweit erste Installation von SAP in einem switchable Independent Auxiliary Storage Pool (IASP). Diese Technologie trennt physikalisch die Daten von den Programmen und ermöglicht das Hin- Herschalten des Datentopfes zwischen physikalisch verschiedenen Rechnern (hier Produktiv- und Backupsystem) in sehr geringen Zeiträumen.

Im Endausbau sieht das System heute wie folgt aus: zwei IBM iSeries Server, eine 870 und eine 830, übernehmen die Rolle des Produktiv- und des Backupsystems. In verschiedenen logischen Partitionen laufen zusätzlich ein "Lotus Domino Server" sowie eine weitere SAP-Installation für das Business Warehouse. Diese Systeme stehen im Falle einer ungeplanten Umschaltung nicht redundant zur Verfügung. Die beiden Server sind auf die beiden Rechenzentren verteilt und werden somit von unabhängigen Stromversorgungen, Klimaanlagen etc. bedient. In beiden Rechenzentren steht jeweils ein "IBM TotalStorage Enterprise Storage Server (ESS) 800". Das R/3 wird mittels OS/400-Mirroring auf beide ESS gespiegelt, so dass die Daten in beiden Rechenzentren immer synchronisiert sind.

Im Ergebnis verfügt jedes der beiden Rechenzentren über die notwendige Applikationsplattform und die Daten, um den Betrieb des SAP-Systems zu übernehmen. Eine geplante Umschaltung, beispielsweise für Wartungsarbeiten am Produktivsystem, ist heute mit einer Downtime von maximal 20 Minuten verbunden. Das leistungsschwächere Backupsystem stellt dabei genug Rechenleistung zur Verfügung, um die Arbeit mit einem ähnlich hohen Komfort wie auf dem Produktivsystem fortzusetzen. Ungeplante Umschaltungen, beispielsweise bei einem Feuer im Produktivrechenzentrum, benötigen etwas länger, unterschreiten aber nach wie vor die geforderte Grenze von 30 Minuten.

Betrachtet man rückblickend das Gesamtprojekt, stellt sich unweigerlich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Die Frage nach dem Wert von Sicherheit ist schwer zu beantworten und von zahlreichen Faktoren abhängig, die nur das eigene Unternehmen bewerten kann. Die eingangs erläuterten Faktoren müssen dafür für jeden individuellen Prozess quantifiziert werden. Was kostet eine Stunde Produktionsausfall, weil keine Ware kommissioniert wird oder das Lager voll ist und kein LKW das Gelände verlassen kann, weil keine Frachtpapiere ausgestellt werden können? Wie hoch sind die Vertragsstrafen beispielsweise in der Automobilzulieferindustrie, wenn Liefertermine nicht eingehalten werden können?

Das kritische an einer solchen Betrachtung ist die Bewertung des Risikos. Wie wahrscheinlich ist ein Stromausfall? Wie wahrscheinlich ein Feuer? Wie wahrscheinlich Sabotage, Unfälle bis hin zu Terroranschlägen. Eine uneingeschränkte Sicherheit gibt es nicht. Auch das VEKA-Konzept garantiert keinesfalls "zero downtime". Das Ziel eines Sicherheitskonzepts kann es also nur sein, die Downtime zu reduzieren und schnelle Lösungen für den Wiederanlauf bereitzuhalten. Je flexibler das Konzept dabei gehalten wird, desto schneller kann auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert werden. Wichtig ist dabei vor allem, die Gesamtheit der Bedrohung und der möglichen Schäden im Auge zu behalten - ein Brand ist nicht vorbei, wenn das Feuer gelöscht ist, sondern erst, wenn alle Systeme wieder funktionieren. Unter diesem Gesichtspunkt ist beispielsweise die Entscheidung, ob mit Wasser, Schaum oder Kohlendioxid gelöscht wurde, von maßgeblicher Bedeutung. Oder eine Zutrittskontrolle, die bei Stromausfall in den Sabotage-Modus verfällt und auch keine Administratoren mehr einlässt, kann leicht selbst eine Bedrohung anstelle eines Schutzes sein.

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